13.300 Besucher an 98 Tagen, 1000 Stunden ehrenamtliche Arbeit, 20 Einzelveranstaltungen, über 700 Stück Blechkuchen und ungezählte Tassen leckeren Kulturkaffee, das sind die nackten Zahlen der am 3. August zu Ende gegangenen ersten Ausstellung im Kunstbahnhof Flöha. Dahinter verbergen sich unzählige Begegnungen mit Besuchern aus ganz Deutschland und auch aus aller Welt, emotionale Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern der Stadt über Erinnerungen an den Bahnhof an sich und das immer gutgelaunte Engagement von Helfern, Unterstützern und Freiwilligen.
Drei Tage voller Erlebnisse und Emotionen
Drei Veranstaltungen lockten zum Finissage-Wochenende vom 1. bis 3. August noch einmal über 500 Besucher in den Kunstbahnhof. Den Auftakt machte am Freitag der Workshop „FLICK DEIN ZEUG!“ - Reparaturrunde mit UndoYarn, gefolgt von dem Publikumsmagnet am Sonnabend, dem „Kaffeeplausch mit dem letzten Küchenchef der Baumwollspinnerei“, Herrn Bernd Schaufel. Das Finale gab es dann am Sonntag mit der feierlichen Schlussveranstaltung.
Während am Freitag noch in lockerer Runde über Häkeltechniken und die verschiedenen Möglichkeiten gerissene Kleidungsstücke zu reparieren philosophiert wurde, gab es am Samstag zum Baumwollplausch keinen freien Sitzplatz mehr im Begegnungsraum des Kunstbahnhofes. Gebannt und mit teils verklärtem Blick wurde die Dokumentation über die letzten Tage der alten Baumwolle geschaut. Für viele war dies Erinnerung an die eigene Arbeitszeit, für die ebenfalls vertretenen jüngeren Gäste ein bildhafter Einblick in schon oft gehörte Geschichten. Über 150 Gäste tauschten sich auch nach dem Filmende noch lebhaft über vergangene Zeiten, gemeinsam Erlebtes und neue Lebenswege aus. Manche Besucher trafen nach 30 Jahren das erste Mal wieder aufeinander – es war ein emotionaler Nachmittag.
Ein ungeahnt großer Erfolg
Am Sonntag war es dann so weit. Nach gut dreieinhalb Monaten Ausstellungsdauer wurden die „Verstrickungen“ feierlich mit einer Finissage beendet. Fast 200 Gäste lauschten zunächst dem Gesangsduo „Verfühlt“ bevor dann Oberbürgermeister Volker Holuscha das Wort ergriff und die Gäste begrüßte:
„Rund 13.000 Gäste aus der Region und dem In- und Ausland. Von der Schweiz, über Finnland, Kanada bis zur Mongolei. Laut den 51 Gästebucheintragungen und den Angaben der Volontäre gab es eine bundesweite Resonanz. Ein Gästebucheintrag vom 01. Mai bringt es im Zusammenhang mit der Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 nach auf den Punkt.“
Zitat aus dem Gästebuch:
„ Es ist eine wunderbare Ausstellung an einem besonderen Ort. In einer Stadt mit viel zu wenig beachteter Geschichte. Das Motto „C the unseen“ passt hier besonders“!
„Mein großer Dank gilt allen Beteiligten für diese wunderbare, ja auch streitbare Ausstellung! Allen voran dem ifa (Institut für Auslandsbeziehungen), den Kuratoren, dem Eigentümer des Gebäudes und der „eins energie sachsen“ für ihr großzügiges Sponsoring“ fuhr Volker Holuscha fort.
Ehrenamtliches Engagement als wichtigste Stütze
Besonders der hohen Einsatzbereitschaft der freiwilligen Volontäre und deren Kommunikation mit den Besuchern sei das große Interesse an der Ausstellung, dem Kunstbahnhof aber eben auch an dem benachbarten neuen Stadtzentrum in der Alten Baumwolle zu verdanken.
Anschließend übergab der Oberbürgermeister an Frau Petronela Soltesz, der Vertreterin des ifa, das Wort. Mit einem kurzen Rückblick auf die Geschichte der Baumwollverarbeitung in Flöha von den ersten Spinnereien 1809 bis hin in die 90er Jahre spannte Frau Soltesz einen thematischen Bogen zur Ausstellung „Verstrickungen“ und deren einzelnen Künstlerinnen, Künstlern und Kunstwerken.
Darauf gab es noch einmal großen Applaus für alle anwesenden ehrenamtlichen Helfer aus Flöha und Umgebung, Freiwillige der Kulturhauptstadt und des Organisationsteam der Stadtverwaltung Flöha. Als kleiner Dank wurden Beutel mit der Aufschrift „Flöha! Hier Flöha!“ überreicht – eine Reminiszenz an die legendäre Bahnhofsdurchsage die jahrzehntelang Reisende in Flöha begrüßt hat. Man merkte, das sich hier Menschen gefunden haben, die gemeinsam etwas Gutes und Positives für die Stadt und die ganze Region bewirken wollen.
Künstlerin Judith Raum gibt Einblicke in Ihre Arbeit
Die anwesende Künstlerin Judith Raum gab danach noch einen spannenden Einblick in Ihre wissenschaftliche Arbeit, welche sich mit der Kunst von Otti Berger befasste. Frau Soltesz führte begeisterte Zuhörer noch einmal durch die Ausstellung und vermittelte Wissenswertes über einzelne Kunstwerke wie auch die Arbeit des ifa.
Viele Besucher genossen noch lang die wunderbare Stimmung des Nachmittages, den leckeren Blechkuchen der Bäckerei Walthelm und einen letzten Schluck Kulturkaffee, bis sich dann um 18 Uhr zum vorerst letzten Mal die Ausstellungstüren schlossen.
Nach dem Abbau und kleineren Reparaturen ist der Bahnhof ab dem 25. August tagsüber wieder geöffnet und kann durchquert werden. Weitere Ausstellungen und Veranstaltungen sind in Abstimmung mit dem Besitzer des Bahnhofes in Planung, definitiv wird eine Dauerausstellung zur Bahngeschichte in Flöha hier ihre Heimat finden.
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